Archiv für den Monat: September 2017

Ich bin ein Dinosaurier

Schon wieder eine neue Kamera ?

Zu analogen Zeiten war es einfach. Wirkliche Innovationen bei neuen Kameramodellen waren dünn gesäht. Zusammenfassend kann ich behaupten, ausser der Einführung des Autofokus Mitte der 1970er Jahre, Blenden- und Zeitautomatik sowie der TTL-Messung blieben sie nahezu aus. Natürlich waren das Meilensteine in der Fotografie aber in der Regel kann man sagen, dass einem eine einmal gekaufte Kamera viele Jahre (teilweise sogar ein „Fotografenleben“ ) lang begleitete. Zudem waren Profikameras so solide gebaut, dass so mancher behauptete, man könne damit sogar Nägel in die Wand einschlagen.
Heute sieht das freilich anders aus. Spiegelreflexkameras konkurieren mit spiegellosen Systemkameras und der gute alte Camcorder scheint angesichts der Videofunktionen aktueller Kameramodelle ausgedient zu haben.
Höher, weiter, schneller ist die ausgegebe Parole. Keine Photokina (zukünftig sogar jährlich stattfindend) vergeht, ohne dass es neue Rekorde in Bildauflösung, Schnelligkeit oder Ausstattung zu vermelden gibt.
Gerne nehme ich die gute alte Nikon F3 als Beispiel. Diese Kamera war von 1980 bis 2002 auf dem Markt als Neuware erhältlich. 22 Jahre war sie damit das Spitzenmodel von Nikon. Die digitale Nikon D4 hingegen wurde 2012 eingeführt, nach nur zwei Jahren durch die überarbeitete Nikon D4S und im Jahr 2016 durch die D5 abgelöst. Wenn ich nun also großzügig über die D4S hinwegsehe und nur die Bezeichnung D4 zur Bewertung heranziehe, komme ich auf bescheidene 4 Jahre. Wohlgemerkt, ich rede hier von einem Profimodel. Amateurkameras werden noch kürzer produziert.
Mit Erscheinen der Canon 5D Mark II habe ich 2008 einen Systemwechsel von Nikon zu Canon vollzogen.  Das hat was mit meinen persönlichen Fotografievorlieben zu tun und nichts mit Unzufriedenheit. Die 5D MK II wurde 2012 durch die MK III und 2016 durch die MK IV abgelöst. Auch hier können wir also eine „Marktpräsenz“ von jeweils 4 Jahren feststellen.
Tja Leute, ich fotografiere immer noch mit der Mark II. Bin ich wahnsinnig ? Eine fast 10 Jahre alte Kamera im Profieinsatz zu verwenden ist doch Selbstmord, oder ?
Als die Mark III auf den Markt kam, haben sich die meisten meiner Mitbewerber, zumindest die Canon-Jünger,  völlig fanatisch darauf gestürzt. Die „alten“ Mark II fristeten ab diesem Zeitpunkt ein Schattendarsein als Ersatzbody oder wurden gleich auf Ebay verhökert. „Meiner“ Mark II sagte man einen grottenlangsamen Autofokus nach und der Nachfolger hatte auch wesentlich mehr Messfelder für die Belichtungsmessung, aber würde ich deshalb bessere Bilder machen ?
Der langsame Autofokus hat mich nie gestört. Ich mache hauptsächlich inszenierte Fotos und sich schnell bewegende Objekte fotografiere eigentlich nie. Der Autofokus sitzt auf Anhieb, pumpt nicht und tut was er soll. Für mich also kein Kaufargument für den Nachfolger. Mehr Felder für die Belichtungsmessung ? Bullshit, – brauche ich nicht. Bisher hatte ich keine falsch belichteten Fotos, wie könnte sich ein „korrekt“ belichtetes Bild also durch den Kauf einer neuen Kamera verbessern ? Wenn es wirklich mal haarig wird, nehme ich (ganz oldschool) meinen Handbelichtungsmesser. Funktionierte früher, – funktioniert immer noch. Oh Gott, ich bin ein Dinosaurier.
Bislang hat sich auch noch keine Kunde über meine alte Kamera beschwert. Hier zählt das Ergebnis und nicht das Werkzeug.
Seien wir ehrlich. Wenn die Eckdaten stimmen brauchen wir nicht ständig neue Kameras. Bilder werden dadurch nicht besser. Und die paar Megapixel mehr machen den Kohl nicht fett.
Was bringt mehr, ein neuer Kamerabody oder ein neues, hochwertiges Objektiv für die alte Kamera ? Eben; – sage ich doch !!
Wohlgemerkt, ich rede hier nicht von einem Wechsel in eine andere Kameraklasse. Es ergibt sich natürlich schon ein erheblicher Unterschied in Qualität und Bedienerfreundlichkeit wenn man von einem Amateurmodel zu einer (Semi-)Profikamera wechselt. Bleibt man jedoch seiner Kameraklasse treu, dann muss man nicht jeder „Super-Duper-Neu-Innovation“ hinterher laufen.

Was meint Ihr dazu ? Schreibt mir gerne eure Meinung zum Thema.

Viele Grüße aus der Steinzeit
Euer Arthur