„Internetforen sind Kacke“

Eine Kolumne von Arthur Art

„Internetforen sind Kacke“, sagte mein Busenfreund Achim unlängst zu mir. „Und Fotografieforen sind „Megakacke“ fuhr er fort.
Nun muss man dazu sagen, dass Achim schon in predigitalen Zeiten dazu neigte die Dinge in schwarz oder weiß zu sehen. Grautöne blendet er konsequent aus, beziehungsweise beachtet sie nicht weiter. Das war schon in der Dunkelkammer ein Problem und im „Real life“ sowieso.
Wenn man sich jedoch durch die zahlreichen Fotografieforen im Internet, mit all den selbsternannten Foto(halb)göttern klickt, kann einem in der Tat jedoch gelegentlich übel werden.  Je nach Teilnehmern braucht man ein dickes Fell. Mit anderen (oft zitierten) Worten: „Es tummeln sich Gestalten, – das soll man nicht für möglich halten“.
Schlimm sind die Vertreter der „Nur meine Meinung ist richtig“-Fraktion. Böse wird´s, wenn zwei oder mehrere dieser Spezies ungebremst aufeinander treffen. Auf dem Rücken der übrigen Leserschaft werden erbitterte Grabenkämpfe ausgetragen. Hier geht es nicht im die scheinbar niemals enden wollende Fragestellung „Nikon oder Canon“, sondern um ganz alltägliche Fotothemen. Ein Beispiel: Jemand fragt, wie er eine geringere Schärfentiefe erreichen kann. Der Beitrag kippt in eine unsägliche Diskussion, dass es nicht „Schärfentiefe“ sondern „Tiefenschärfe“ heißen muss. Eigentlich völlig egal, jeder weiß was gemeint ist. Nach gefühlten 87 Beiträgen ist man sich immer noch nicht einig. Jeder beharrt auf seine Meinung. Der Fragesteller ward nicht mehr gesehen. Beantwortet wurde seine Frage ohnehin nicht. „Nett“ wird es auch, wenn Bilder besprochen werden können. Obwohl man sich „im Prinzip“ einig ist, dass es in der Fotografie (und Bildbearbeitung) kein „richtig oder falsch“ geben kann (schließlich ist es ja Kunst, und dort ist doch alles erlaubt, oder?) fliegen die Fetzen. Ein Horizont hat eben gerade zu sein und der goldene Schnitt ist ohnehin bei wirklich jedem Bild das Maß aller Dinge. „Colorkey ?, IGITT.“  „Sonnenuntergang?, gäähn 1000x gesehen.“


Nicht jeder der Landschaften fotografiert ist ein „Ansel Adams“( http://de.wikipedia.org/wiki/Ansel_Adams)  und eine nackte Dame vor weißen Hintergrund macht noch keinen „Helmut Newton“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Helmut_Newton) aus dem Fotografen. Dennoch hat der Präsentierende das Recht darauf, dass sachlich diskutiert wird. Genauso hat jeder Diskussionsteilnehmer die Freiheit, dass ihm das vorgestellte Bild eben nicht unbedingt gefallen muss. Was ich in der Tat richtig schlimm finde, ist das unbedingte „Ich habe Recht und du nicht“ Verhalten. „Schlagschatten ist „Bahpfui“ und darf nicht sein“. Wer einen Schlagschatten beim Fotografieren erzeugt sollte das Hobby lieber aufgeben und besser Briefmarken sammeln.
„Halloooo, vielleicht hat der Fotograf sich bewusst für den Schlagschatten als Gestaltungsmittel entschieden. Selbst wenn der Schatten, um beim Beispiel zu bleiben, unbeabsichtigt entstanden ist, ist das KEIN Fehler. Wenn´s dem Fotografen gefällt, ist es richtig so. PUNKT
In der Bildbearbeitung ist es anders herum. Schon mal ein Composing in einem Forum veröffentlicht bei dem das eingesetzte Motiv KEINEN Schatten wirft?
Was für ein Spaß. Ich gehe jede Wette ein, dass spätestens nach drei Diskussionbeiträgen irgendein Troll auf den fehlenden Schattenwurf hinweist. Ob diese Kameraden jemals an einem grauen „Wolkentag“ fotografiert haben darf bezweifelt werden. Falls doch, -viel Spaß beim suchen des Schattens.
„Schön“ sind auch die „ich hätte“, oder „ich würde“ Antworten die völlig unrealistisch sind.
„JAAA, ich hätte das Firmenporträt der Mitarbeiter aber von einem Feuerwehrkran aus aufgenommen“. Warum nicht gleich Hannibals Alpenüberquerung mit echten Elefanten fotografieren? Auf dem Teppich bleiben ist angesagt. Nicht jeder verfügt über Kontakte zur Feuerwehr oder das Budget einer Hollywoodproduktion.
Nicht das wir uns hier falsch verstehen. Konstruktive Kritik ist durchaus erlaubt und auch erwünscht. Rechthaberei hingegen nicht.
Auf der Gegenseite gibt es natürlich auch die „Beleidigten“, die auf jede noch so konstruktive Kritik hin den virtuellen Knüppel auspacken und losdreschen. Aus diesen „Beleidigten“ werden dann leider oft „Beleidiger“. Ein von dieser Spezies gerne genommenes Ausdrucksmittel ist die „RACHEbewertung“. Gemäß dem Motto „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ wird alles niedergeredet was der „Unsägliche“ jemals fotografiert oder geschrieben hat.
All das, führt unweigerlich dazu, dass die, die sich ernsthaft mit den Fotos und Beiträgen der anderen Nutzer beschäftigen und wertvolle Tips und Informationen beisteuern irgendwann ihre Koffer packen und auf Nimmerwiedersehen aus den Foren verschwinden, weil es ihnen einfach „zu bunt“ geworden ist. Die Qualität der Beiträge sinkt und mein Freund Achim hätte Recht. „Internetforen sind kacke“